Alles Auf Zucker
Warner Home Video (2004)
Ausländische, Komödie
In Sammlung
#109
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GesehenJa
7321921990915
IMDB   6.9
90 Min. Deutschland / Deutsch
DVD  Region 2
Henry Hübchen Jaeckie Zucker
Hannelore Elsner Marlene Zucker
Udo Samel Samuel Zuckermann
Golda Tencer Golda Zuckermann
Steffen Groth Thomas
Anja Franke Jana
Sebastian Blomberg Joshua Zuckermann
Elena Uhlig Lilly
Rolf Hoppe Rabbi Ernst Ginsberg
Inga Busch Irene
Golda Tencher
Regisseur
Dani Levy
Produzent Manuela Stehr
Barbara Buhl
Autor Dani Levy
Holger Franke
Kamera/Fotographie Carl-Friedrich Koschnick
Komponist Niki Reiser

Jackie Zucker, der eigentlich Jacob Zuckermann heißt, war in der DDR einst Sportkommentator, doch seit der Wende hat er sein Leben nicht mehr auf die Reihe bekommen. Er wünscht sich die Mauer wieder zurück und sieht sich als den typischen Wendeverlierer. Über sein Selbstmitleid ist er spielsüchtig geworden, denn wenigstens während er spielt, erfährt er ein Hochgefühl und kann sich Hoffnung auf ein wenig Glück machen. Das Problem ist nur, dass er eben kein Glück hat, sondern fast 45.000 Euro Schulden. Dazu kommt noch, dass er seine Familie vernachlässigt. An seiner Frau lebt er vorbei und seine ständige Spielerei treibt sie zu Anfang des Films dazu, ihn rauszuschmeißen (allerdings lässt sie ihn bald schon wieder ein). Zu seiner Tochter und seiner Enkelin hat er jahrelang schon keinen Kontakt mehr. Sein Sohn Thomas ist Angestellter der Bank, die aufgrund Jackies Schulden zu einer Zwangsversteigerung schreitet. Dies bringt die Geschichte erst ins Rollen, denn Jackie schafft es, sich noch einen Aufschub zu erschleichen und muss innerhalb der nächsten Tage das Geld auftreiben. Wie er das schaffen will? Er will als Sieger eines Billiardturniers das Preisgeld von 100.000 Euro einstreichen. Nachdem er das Startgeld aufgetrieben hat, ist die Schuldenfreiheit schon zum Greifen bzw. Stoßen nahe.
Jackie hat nur ein Problem, seine Mutter ist gestorben und sein Bruder Samuel mit Mischpoke kündigt sich an, um die Mutter traditionell jüdisch zu begraben und ihre letzten Wünsche zu erfüllen sowie um das Erbe abzugreifen. Anders als Jackie ist sein Bruder gläubiger Jude und hat auch seine Familie so erzogen.
Die Brüder sind schon seit Jahren zerstritten und haben sich eine Ewigkeit nicht mehr gesehen. Sie haben nicht nur religiöse Differenzen, sondern auch politische, denn Jackie ist immer noch überzeugt vom Sozialismus, wohingegen Samuel dafür lediglich Spott und Verachtung übrig hat.f humor and knowledge.
Details der Edition
Edition erschienen 29.09.2005
Verpackung Keep Case
Layer Einseitig, single layer
Anzahl Disks/Bänder 1

Notizen
Mit dieser Story gelingt Levy ein großartiger Film, der sich eines interessanten Themas annimmt und vor allem durch Dialogwitz und eine ausgeklügelte Figurenkonstellation überzeugen kann. Die Figuren sind sehr liebevoll gestaltet und immer mehr als nur Stereotypen. So bedient die Schwägerin zwar das typische Klischee eines geizigen Juden, als sie mit Freude das Angebot annimmt, bei Jackie zu wohnen, nachdem sie mitbekommen hat, dass das Hotel 300 Euro pro Nacht kostet. Trotzdem ist sie auch eine gute Seele, die über kleine und große Fehler der sich wie Gois verhaltenden Familie hinwegsehen kann, wenn auch nicht immer ganz uneigennützig. Nur manchmal hatte ich das Gefühl, dass Levy zu viel auf einmal in seine Figuren kloppen will. So ist es doch ein bisschen zu viel des Guten, dass Thomas Stotterer ist, denn auch ohne den Sprachfehler hätte seine Rolle funktioniert. Bei der Handlung selbst war es mir manchmal auch fast zuviel, aber Levy bekommt immer wieder die Kurve, sodass es nicht allzu überladen erscheint und durchgehend unterhaltend ist. Vor allem die Verbindung der beiden Themen "DDR" und "Judentum" gelingt sehr gut.
Immer wieder hat der Film unerwartete Wendungen, die zwar reichlich unwahrscheinlich sind, aber in sich trotzdem stimmig. Und Sprüche wie dieser von Jackies Frau: "Ihr Juden habt so viele Regeln, da gibt es ja gar keinen Platz für Improvisation!", sind sehr amüsant und lassen sich den ganzen Film über finden.
Der Film ist sowohl unterhaltend, als auch thematisch interessant. Levy und die Schauspieler setzten den Stoff sehr überzeugend um und es macht Freude zu beobachten, wie man im Verlauf des Films beispielsweise immer mehr Gemeinsamkeiten zwischen Samuel und Jackie entdeckt, beide jedoch sehr lange brauchen, um dies selber zu erkennen. Sie müssen sich erst als "Schmock" beleidigen und vieles anderes durchstehen um wenigstens in kleinen Schritten aufeinander zuzugehen.
Einiges hat Levy sehr subtil verpackt, anderes jedoch reibt er dem Zuschauer so offensichtlich, ich würde fast sagen plump, unter die Nase, dass es mich doch ein wenig ärgert. So wird schon sehr schnell deutlich, dass die "Mauer" die beiden Brüder (und auch ihre Familien) nicht nur real getrennt hat, sondern sie bildlich gesprochen noch immer trennt. Da hätte Levy es sich sparen können, genau diese Worte Samuel bei der Grabrede in den Mund zu legen. Gut, es passt in gewisser Weise zu Samuels Typ, so zu reden und ist nicht unerheblich für den weiteren Verlauf der Szene, aber damit wird dem Zuschauer diese Übertragung zu leichtfertig abgenommen.
Nichtsdestotrotz, bin ich von diesem Film sehr angetan und würde ihn jedem empfehlen, allerdings sollte man vielleicht ein gewisses Interesse für solche Themen mitbringen.